Dewar Adair – Auf der Suche nach dem Geist des Aikido
Ein Gespräch zum Ursprung der Aikido-Abteilung im TSC
Mann in Hakama und Gi steht vor einem Holzgebäude mit einer offenen Tür und grünem Schild im Hintergrund.

Foto: Privatarchiv Dewar Adair,Tokyo, 1990 (mit freundlicher Genehmigung) – alle Rechte vorbehalten

Als die Aikido-Abteilung im TSC Dortmund Ende der 1980er Jahre gegründet wurde, stand dahinter nicht nur die Idee einer neuen Sportart im Verein. Für ihren Initiator Dewar Adair war Aikido Teil einer viel größeren Suche – nach Bewegung, nach innerer Entwicklung und nach einem tieferen Verständnis von Energie und Geist.

Der gebürtige Schotte kam in den 1970er-Jahren nach Deutschland. Schon früh interessierte er sich für östliche Philosophie und Kampfkünste. Über Stationen im Hapkido und Begegnungen mit Lehrern der französischen Aikido-Szene fand er schließlich zum Aikido – einer Kunst, die Technik, Körperarbeit und geistige Entwicklung miteinander verbindet.

1987 gründete er im TSC Dortmund eine Aikido-Gruppe, die schnell wuchs und bald Lehrgänge mit internationalen Lehrern veranstaltete. Seine eigene Ausbildung führte ihn später auch nach Japan, wo er unter anderem bei bedeutenden Lehrern wie Endo-Sensei trainierte.

Im Gespräch blickt Dewar Adair auf diese Zeit zurück: auf seine frühen spirituellen Fragen, die Entstehung der Aikido-Abteilung im TSC, intensive Trainingsjahre in Europa und Japan – und auf den Weg, der ihn später zum Yoga und zur Meditation führte.

Das Gespräch mit Dewar

Die Aikido-Abteilung des TSC Dortmund wurde 1987 gegründet. Initiator war Dewar Adair, der viele Jahre lang das Training prägte und internationale Kontakte aufbaute. Im Gespräch blickt er zurück auf seine Anfänge im Aikido, seine Zeit in Japan, Begegnungen mit großen Lehrern – und auf den Weg, der ihn später zum Yoga und zur Meditation führte.

 

Dewar, beginnen wir ganz am Anfang: Wie bist du eigentlich zum Aikido gekommen?

Eigentlich begann alles viel früher, lange bevor ich Aikido entdeckt habe. Als ich ungefähr 13 Jahre alt war, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass es „da draußen“ etwas geben muss – eine tiefere Dimension oder etwas Spirituelles. Ich wusste nur noch nicht, was genau.

Das Christentum war für mich kein Zugang. Ich konnte mit vielen Begriffen und Praktiken einfach nichts anfangen. Aber ich spürte sehr deutlich, dass ich nach etwas suchte.

Damals begann ich mich für den Osten zu interessieren. Ich fing sogar an, Chinesisch zu lernen. Ich komme aus dem Südwesten Schottlands, aus einer kleinen Stadt, und plötzlich entwickelte sich diese starke Faszination für asiatische Kultur und Philosophie.

Meine Eltern waren sehr arm, niemand in meiner Familie hatte studiert. Und trotzdem hatte ich dieses starke Bedürfnis, mich auf eine Suche zu begeben. Rückblickend war das wahrscheinlich der Anfang eines Weges, der mich schließlich zum Aikido geführt hat.

 

Wie ging dein Weg dann weiter?

Ich ging später nach Edinburgh und studierte Dolmetschen und Übersetzen – Deutsch und Französisch.

1976 bekam ich ein Stipendium für die Goethe-Universität in Frankfurt. Dort begann ich mich intensiver für Kampfkünste zu interessieren. Ich probierte Karate und Taekwondo aus, aber das Training erschien mir sehr linear und mechanisch.

Dann traf ich einen hervorragenden Hapkido-Lehrer. Hapkido verbindet lineare und kreisförmige Bewegungen und enthält viele Elemente aus dem Jujitsu. Für mich war das plötzlich viel interessanter, weil es nicht nur um Kraft und Technik ging, sondern auch um fließende Bewegung.

Das fühlte sich für mich plötzlich sehr stimmig an – dynamisch, fließend und gleichzeitig effektiv. Das war eigentlich der erste Schritt in Richtung Aikido.

 

Wie bist du schließlich in Dortmund beim Aikido gelandet?

Als ich Anfang der 1980er Jahre nach Dortmund kam, suchte ich nach Budo-Training. Zunächst fand ich hauptsächlich Karategruppen. Eine Zeit lang fuhr ich sogar nach Witten, um dort Hapkido zu trainieren.

Der Zufall spielte dann eine Rolle. Ich wohnte damals in einer Wohngemeinschaft in der Nähe des Vinkeplatzes. Um die Ecke gab es einen kleinen Laden – „T und Co.“, dessen Besitzerin Aikido praktizierte. Im Schaufenster hing ein Plakat – Aikido-Training.

Das war etwa 1982 oder 1983. Ich ging hin und lernte eine Gruppe kennen. So begann mein Weg im Aikido.

Gruppenfoto von 40 Personen in weißen Kimonos und schwarzen Hosen vor einem Gebäude mit der Aufschrift „STAGE INTERNATIONAL“.

Meister André Nocquet, Treillières (Frankreich), 1985. Dewar Adair (zweite Reihe, dritter von rechts).
Foto: Privatarchiv Dewar Adair.

Was hat dich am Aikido besonders fasziniert?

Ein entscheidender Moment war ein Lehrgang in Hannover. Zu dieser Zeit hatte ich ein Buch von André Nocquet gelesen. Das hat mich sehr beeindruckt.

Auf dem Lehrgang traf ich dann Lehrer aus der französischen Aikido-Szene. Als ich ihr Training sah, dachte ich sofort: „Das ist es.“

Die Bewegungen waren kraftvoller, direkter, gleichzeitig aber sehr elegant. Es war genau die Mischung aus Technik, Energie und Ausdruck, nach der ich gesucht hatte.

Mann im Schneidersitz auf einer Yogamatte, umgeben von Meditationsutensilien und dekorativen Elementen.

Dewar Adair (2026): Mitübersetzer der deutschen Ausgabe von Der Geist des Aikido von Kisshomaru Ueshiba, Kristkeitz Verlag, 1993.  

Durch seine Übersetzung machte Dewar zentrale Gedanken und Prinzipien des Aikido auch für den deutschsprachigen Raum zugänglich.

Foto: Privatarchiv Dewar Adair.

Heute arbeitest du als Yoga- und Meditationslehrer. Gibt es eine Verbindung zum Aikido?

Auf jeden Fall.

Im Kern geht es um dieselben Prinzipien:
Zentrum, Atmung, Energiefluss und Achtsamkeit.

Im Yoga liegt der Fokus stärker auf Meditation und innerer Wahrnehmung. Das ist etwas, das ich im Aikido manchmal vermisst habe.

Aber viele Erfahrungen aus meiner Aikido-Zeit begleiten mich bis heute.

 

Wenn du auf diese Zeit zurückblickst – was ist für dich das Wichtigste, das geblieben ist?

Die Gemeinschaft und die Freundschaften.

Wir hatten damals einen sehr starken Gruppengeist. Ohne diese Menschen hätte sich die Aikido-Gruppe im TSC nie entwickeln können.

Und natürlich die grundlegenden Ideen des Aikido:
Präsenz, Achtsamkeit und die Fähigkeit, Energie aufzunehmen und zu transformieren – auf der Matte und im Alltag.

Das sind Dinge, die mich bis heute begleiten.

Schlusswort
Wir möchten Dewar Adair unseren herzlichen Dank aussprechen – für das inspirierende Gespräch, die persönlichen Einblicke in seine Aikido-Anfänge und die großzügige Bereitstellung seiner historischen Fotografien. Seine Erinnerungen und das Bildmaterial bereichern unsere Vereinsgeschichte ungemein.

Bildnachweise
Alle im Interview verwendeten Fotos stammen aus dem Privatarchiv von Dewar Adair.

Interview und Redaktion
Susanne Schimanski und Martin Klemm

Das Interview wurde für die Aikido-Abteilung des TSC Eintracht Dortmund geführt.